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... ein Land, in dem
Honig aus den Wasserhähnen floss und Gummibärchen an den
Bäumen hingen. Die Sonne schien auch nachts und wenn mal
ein Verbrechen geschah, dann wurde der Täter schnell
gefasst und gerecht verurteilt. Klare Spielregeln, alle
waren einverstanden. Die Kinder lernten Recht und Ordnung,
wurden aufstrebende Jungakademiker und führten das Glück
fort.
Doch als der Honig
ausging, da wurden aus den Jungakademikern Altakademiker,
die gebildete Elite,
die um alles in der Welt ihren Wohlstand bewahren wollten
- koste es, was es wolle. Heute wundert man sich, warum
unsere Generation kein Glück mehr habe, warum wir
plötzlich um unser Wohl fürchten müssten. Was war da los?
Haben wir unseren Platz an der Sonne verloren?
Und dann kommt die
Erkenntnis: War schon früher etwa nicht alles heile Welt
gewesen?
Waren die ersten Regierungen etwa auch schon korrupt?
Waren die getreuen Herren Richter von einst etwa auch
schon dabei gewesen, unliebsame Dinge zu verschleiern? Wann fing die
Heuchelei denn an? Denn nicht erst seit Schopenhauer
wissen wir, dass unser Weltwille dann und wann unsere
Aufrichtigkeit in die Knie zwingt. Im Kollektiv ist das
aber auch einfach, da braucht sich ja niemand Vorwürfe
machen. Plötzlich schreien alle sogar, dass die
Gummibärchen, die noch halb verdorben von den Bäumen zu
pflücken sind, schlecht seien. "Die sind aus Tier, die
sind aus Tier! Esst sie nur, befriedet eure Gier!" tönt es
aus der Ferne. Ja steht die Welt denn Kopf? Verliert alles
an wert? Wir fühlen uns, als nähme man uns den Boden, auf
dem wir stehen.
Wenn wir uns nun
umblicken, können wir die Scheuklappen ablegen oder
sie aufbehalten. Das liegt an uns. Unter dem Motto der
Menschlichkeit und des guten Willens wird uns alles
angepriesen. Wie schön, mag sich da der naive Optimist
denken, alle wollen nur mein Bestes!
Er schlägt die Zeitung auf und denkt, wow! Eine Frau
türkischer Herkunft wird erstmals in eine Landesregierung
aufgenommen! Es geht bergauf, Integration olé! In Hannover
wird sie Ministerin für Soziales. Danke, CDU, denkt er
dann. Danke.
Der Pessimist hingegen
ist skeptisch und wird fündig. Er denkt sich, ach, und
warum hat diese neue, von allen gefeierte Ministerin für
Soziales vorher eine Firma geleitet, in der sie massiv
Lohndumping betrieben hat? Eine gemeinnützige Organisation
für die Vermittlung von Jungtürken gründete, Fördergelder
vom Staat bekam, um diese Vermittlungsbedürftigen in ihrem
selbstgeleiteten Unternehmen zu Niedrigstlöhnen zu
beschäftigen? Nicht alle, freilich, aber einige. Das
reicht für den Pessimisten ja schon aus. Und so eine wird dann
Sozialministerin. Großartig, liebe CDU, denn ihr wusstet
davon. Lasst euren neuen Politstar nur weiter feiern, die
meisten Menschen wählen ja lieber die Scheuklappen, ihr
werdet wie immer damit durchkommen! Beschwert euch nur
weiter über einen Amtsträger anderen politischen Lagers, der zu seinen
Überzeugungen steht.
Der Pessimist liebt solche Dinge. Sie geben ihm Recht.
Na, aber es ist ja nicht
alles schlecht, denkt der Optimist vier Häuserblocks
weiter am Küchentisch. Es ist Wochenende, er sortiert
seine Schulsachen. Er ist Lehrer. Da kommt
Unterrichtsmaterial von einem gemeinnützigen Verein durch
den Briefschlitz hereingeflattert, dicke Hefte mit
ausgearbeitetem aktuellen Material für den Unterricht. Wie
nett! Denkt sich der Optimist. Ich brauche nicht mehr die
verstaubten Lehrbuchklassiker benutzen. Wenn es solche
Verein nicht gäbe... Die Bildungspolitik lässt da ja
Subventionen vermissen. Fröhlich plant er die Benutzung
des neuen Materials mit ein.
Er ist engagiert. Und
während er die einzelnen Unterrichtsstunden durchplant,
wird er selbst ein wenig skeptisch. Atompolitik ist das
Thema - die in den Materialien vorgestellten Argumente für
beide Argumentationsseiten fallen aber ein wenig
unterschiedlich überzeugend aus. Hm. Die Fürsprecher haben
ausgearbeitete, lang begründete Argumente, die Kontrahenten
hingegen nur Einzeiler auf ihrer Seite stehen. Er blickt
auf und wundert sich ein wenig, nippt an seinem Tee. Da
klingelt es plötzlich an der Tür. Das sind gewiss meine
Nachbarn und wollen mit mir Tee trinken! Denkt er entzückt, geht
zur Tür und öffnet sie.
Doch - Schockschwerenot - es ist der Pessimist! Grimmig
blickt ihn dieser an, wirft ihm ein Heft entgegen, holt
aus und schlägt ihm in die Fresse. Der Optimist stürzt zu
Boden, kracht gegen die Flurkommode, stößt sich den Kopf
am Spiegel, der Spiegel zerberstet. Der Pessimist schaut
wortlos auf ihn herab und geht fort.
Benommen rappelt sich
der Optimist auf, sein Blick fällt auf das Heft vom
Pessimisten. "Rechenschaftsberichte der FDP" steht darauf
geschrieben. Ungläubig blättert er zur markierten Stelle -
die FDP ist zu 50% Anteilseigner des sog. gemeinnützigen
Vereins des Unterrichtsmaterials, das mittlerweile so weit
verbreitet ist. Mit Schrecken in den Augen besichtigt er
das weitere Material. "Sozialpolitik", "Hoch im Kurs",
"Traumberuf Chef", Safety 1st", "Private Vorsorge", ... Es
nimmt kein Ende. Und da noch ein Notiz vom Pessimisten.
100 000 Lehrer haben diese Materialien (aus Not heraus?)
schon bezogen. Schlagen so Lobbyisten aus der desaströsen
Schulsituation Kapital? Meinte Herr P. so etwas in seinem
ewigen
Sermon über Klientelpolitik, die Einzelinteressen fördere?
Traurig sitzt der Optimist zwischen den Scherben und weiß
nicht ein und nicht aus.
Er hatte diese Partei
gewählt, sie versprachen doch, alles besser zu machen.
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Es
ist nicht einfach zu erklären,
wo man hin will,
wenn man selbst nicht weiß, wo man steht.
Denn ohne Standpunkt, ohne Ziele,
können sich die Dinge dreh'n.
Betontod - Ohne Standpunkt
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