20.03.2010
Südafrika-Blog | 02
 

My leap of faith
_________________________________________

 


Das ist sie. Die Bloukrans bridge. 50 billionen Tonnen schwer. Das hab ich mir ausgedacht. Sie ist jedenfalls tatsächlich 216 Meter über der Erde.

Dieser Eintrag macht mich zugegeben leicht nervös. Ich hab ihn schon diverse Male in meinem Kopf aufgebaut und heute habe ich die Zeit gefunden…eher mir dir Zeit genommen, da Zeit eine magere Ressource für mich im Moment ist, ihn zu schreiben.

Seit ich einmal mit Julia gesprochen habe über Ihre Erlebnisse in Südafrika hat sich in meinem Kopf mein persönlicher weißer Wal herauskristallisiert. In Form dieser Brücke. Ich habe auch permanent Leute vollgelabert, dass ich das „unbedingt machen muss“ und dass sie mich „zur Not einfach runter schubsen“ sollen.

 Wie das Leben nun mal so ist, machte sich schließlich, am 20.Februar 2010, eine kleine Gruppe tapferer Gefährten auf eine gefährliche Reise durch die Steppen und Berge Afrikas, entlang der Küste.

 Nach vielen, gefährlichen Wochen (ca….3 Stunden) in einem winzigen, langsamen aber treuen Gefährt kam die kleine, tapfere Gruppe irgendwann an der Schicksalsbrücke an.

 

Tapfere, kleine Gruppe (v. Links: Typ den wir da getroffen haben…ich glaub…Philipp…, Moi, Simon, Flo, Dani, Anna, Conny und Bea macht das Foto)

 

Treues Gefährt mit Simon, Flo und meinem rechten Fuß (links im Bild)

 

Nun also wieder zum essentiellen.

Wir waren also an der Schicksalsbrücke. Dort geben viele Menschen am Tag, den Leuten an der Kasse Geld damit sie ihnen ein Seil umbinden um sie dann von einer Brücke zu schubsen. Solche Idioten.

 

Wir, wesentlich klüger als alle anderen, haben uns aus modischen Gründen diese lustigen Dinger umbinden lassen.

 

Nachdem wir nun modisch gerüstet waren, trieb man uns wie Vieh über diesen überaus sicheren „Catwalk“ wie er genannt wird.

 

Ja, man sieht durch ein Gitter unter den Füßen den Boden….

 

Nach links hatten wir folgenden schönen Ausblick

 

 

Und nach rechts sah es ebenfalls sehr wenig angstmachend aus

 

Doch langsam wurde es ernst. Die kleine Tapfere Gruppe war schon am Ziel, wo sie weitere Menschen traf, die sie modisch nachmachten.

 

 

Und dann kam der Moment der Wahrheit der die Welt für immer verändern sollte. An Dramatik kaum zu überbieten. Einer nach dem anderen standen meine Gefährten an der Kante der höchsten Bungeebrücke der Welt.

Und irgendwann…hm…stellt euch in diesem Moment am besten dramatische Musik vor… hüpfte ich flankiert von den sehr freundlichen und psychologisch wahrscheinlich gut ausgebildeten Mitarbeitern der Bloukrans bridge selbst richtung Kante. (Das ist übrigens keine Ironie. Die sind wirklich super.)

 

Und um denkwürdige Uhrzeit stand Daniel Richard Bogacki, der nicht einmal auf einem 5-Meter Turm in seinem Leben stand, hier:

 

 

In der Luft.

 

Wenige Sekunden später war er dann hier:

 

 

Und nach einer gefühlten halben Stunde, die angeblich an die ca. 17 Sekunden anhielt, war er dann hier.

 

 

Es ist schwierig zu beschreiben was einem durch den Kopf geht. Der wirkliche Schockmoment ist an der Kante. Und dann gehts hinter dir schon 54321BUNGEEEEEE und du springst. Die Gesichtszüge sind mir vollends entglitten. Dann gings in meinem Kopf nur noch JAAAA GESCHAFFT IN DEIN GESICHT WEIßER WAL!!!! Dann kommt man unten an, sieht die Erde kommen und wird nach unten ausgestreckt. Schreit sehr laut, weil man sich so freut, in sehr männlichen Tonlagen.

Ein krasser Moment ist dann wieder die Sekunde, wo man nach oben pendelt und kurz in der Luft hängt und nichts passiert. Die Erde steht still. Und dann gehts wieder abwärts.

 

Irgendwann, und ich könnte schwören es waren mindestens 15 Minuten, baumel ich über den Bäumen. Das Blut schießt einem in den Kopf und mein Gehirn funktioniert mit 180 km/h. Ich hatte das Gefühl kopfüber über der Erde in ca. 170 Meter Tiefe hängend könnte ich 17 Lieder schreiben und die Probleme der Welt lösen. Hielt leider nur wenige Sekunden an, da ich dann das vertraute, langsame rutschen meines Fußdings verspürte und die Füße anwinkelte, um das Gefühl zu umgehen, ich würde rausfallen. Störte die Welteroberungsatmosphere aber nur bedingt.

Ein bisschen erleichtert war ich dann doch als „Spiderman“ mich wieder hochzog.

 

Ich suche noch einen würdigen Abschluss aber ich versuche es einfach mal so:

Dieses Gefühl ist einfach nicht in Worte zu fassen und definitiv in den Top 3 Dingen die ich je gemacht habe. Ich bin unglaublich froh, dass ichs wirklich geschafft habe da ich es mir unfassbar fest vorgenommen hatte. Ich würde es jederzeit wieder tun, eigentlich hatte ich direkt danach sogar Lust nochmal runterzuspringen. Es ist wirklich jedem zu empfehlen, da es kein vergleichbares Gefühl gibt. Einfach einzigartig. Und ja, es hat tatsächlich meine leichte Höhenangst eingeschränkt hab ich das Gefühl :).

 

Recovery

 

Sehr stolz und mit dem Wissen, dass die Welt in besseren Händen ist, gönnten sich die Gefährten eine wohlverdiente Pause an einem weiteren ultraschönen Ort Südafrikas. Ich glaub es war der Tsitsikama Park oder so ähnlich.

 

Sie waren sich jedoch nicht sicher, ob sie die 28(2,80 €) Rand investieren sollten und mussten sich beraten.

 

 

Aber Gott sei Dank sind sie reingefahren. Denn was sie hinter der Kurve erwartete war…

 


Dieser Ausblick

 

Oder auch

 

 

Dieser Ausblick

 

 

Simon und Ich auf der Insel

 

 

Das hier ist übrigens Flo. Als ich gerade aus dem Wasser kam stand er am Strand und guckte verträumt in die Wellen. Ich setzte zu einem Satz an und sagte: „Flo…grad hab ich wieder gedacht…“ und er stieg einfach in den Satz ein und sagte „…alles richtig gemacht“.

Im Hintergrund stehen Anna und Bea.

 

Um uns nochmal endgültig für all die Errungenschaften des Tages zu feiern aßen wir vor unserem Blick.

 

 

So. Ich hoffe überhaupt jemand liest sich das überhaupt durch, denn es wurde viel länger als überhaupt erwartet ^^.

 


 

Wenn es jemand schafft ohne einzuschlafen freu ich mich, wie immer, über jeglichen Kommentar!

Der nächste Beitrag folgt mit Sicherheit früher.
 

El Danny.

 

schreib ins GB!         

 


19.02.2010
Südafrika-Blog | 01
 

Welcome hoooooooome my brother!!
_________________________________________

 


 

Eigenartig wie alles manchmal so läuft. Einfach unfassbar stressige letzte Wochen. Jedenfalls war mein Kopf so voll von Dingen, dass ich Afrika kaum auf mich zu kommen sah.
Aber natürlich hab ich mich auch permanent darauf gefreut. Und dann war er schon da, der 20. Januar 2010. Mein Abflugsdatum.
Seltsamerweise kann ich mich an kaum einen Tag erinnern an dem ich so entspannt war wie an diesem. Ich fuhr Zug, stieg aus und lungerte rum. Wenn man philosophisch sein will könnte man sagen, dass ich irgendwie wusste, dass es genau so laufen muss und es mal Zeit ist sowas in Angriff zu nehmen.
Ein lustiger Moment der aus der Reihe fällt war doch da. Ich checke gerade mein Gepäck ein und rings um uns rum sperren Polizisten einen Gang ab. Als ich fertig war schlenderte ich zu einem hin.
„Entschuldigung?“ – „ja ?“ „Sagen sie mal…ich muss zu b26…ist das da, wo sie gerade absperren und niemanden mehr durchlassen?“ „(lacht) ja!“ „-_-“.
Ich konnte zum Glück doch einfach außen rum gehen.
Danach aß ich etwas, telefonierte noch ein bisschen mit Menschen und irgendwann stieg ich dann in mein Flugzeug. Ich saß neben jemandem der schwer in Ordnung war und mich erst für einen Südafrikaner hielt. Fand ich cool. Er wohnt jedenfalls seit 4 Jahren in Johannesburg (Deutscher). Der Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt, wo ich später landen sollte.
Mich beschlich ab und an ein Gedanke den ich häufiger während des Fluges hatte und erfolgreich unterdrückte bis...
Ich würde in den nächsten Wochen zu niemandem vertrautes gehen können und wusste kein Stück was jetzt kommt. Etwas worüber ich vorher aus irgendeinem Grund nicht ein Stück nachgedacht hatte. Es machte mich nicht wirklich nervös aber es wurde mir dann irgendwie erst bewusst.

Wenig später sah ich aus dem Fenster und mein Herz hat glaub ich wirklich gehüpft. Afrika. Boden. Da wo ich sein werde und immer hinwollte. Wenn jemand eine heterosexuellere Art hat mit der ich die letzten Sätze ausdrücken kann… ihr wisst wo ihr mich findet.

Bei der Sicherheitskontrolle in J. hörte ich vom mega gutgelaunten und kein Stück gestressten Sicherheitsbeamten meine Überschrift „Welcome hooooooooooome my brotheeeer!“. Ich musste lachen und dachte an die steife Frau die mich nicht einmal angesehen hat in Deutschland. Es klang irgendwie genau so wie Michael Mittermeier immer bekiffte Leute nachmacht. Wenn einer weiss, was ich meine.
Angekommen in Port Elizabeth aka. Nelson Mandela Bay (ca. 14.45) wurden wir natürlich nicht von unserer Partnerhochschule abgeholt. Nach einigem gewarte / telefoniere hats doch geklappt.
Wir wurden zu einem improvisierten Büro gebracht und irgendwann waren wir dann alle in irgendeiner Wohnung. Ich in einer wo ich meine 3 Mitbewohner noch kennenlernen sollte. Wieder hörte ich vom Vermieter die Ansprache pass auf mit wem du Freunde machst („besonders mit den Südafrikanern“ Zitat ende), schließ immer dein Zimmer ab, trink immer in einer Kneipe dein Bier aus bevor du aufs Klo gehst damit keiner was reinschmeißt. Beruhigend. Hört man allerdings oft hier (ca.16.15).
Es ist ein seltsames Gefühl in einem Land anzukommen, irgendwo hin platziert zu werden und naja, dann mach mal. Dann all die Gerüchte die man erfolgreich widerlegen will und all die seltsamen Gedanken die man eigentlich nicht haben will. All das was man sich vorgenommen hat, all das was man erleben will, all die Zeit wo man angst hat sie am Ende nicht zu haben. Und dann sitzt du da in diesem Raum. Na dann mach mal.

 

... 4 weeks later

 

Es ist wirklich unfassbar wie schnell alles vorbeigegangen ist.

Ich hab unglaublich viele neue Leute kennengelernt. Erstmals nur Deutsche, einer von ihnen, Cornelius, super Typ übrigens, nennt es liebevoll die deutsche Kolonie in seinem Blog. Aus praktischen Gründen werde ich das mal übernehmen.

Ich habe neben Robert aus Leipzig nun noch Bozan und Mex aus Berlin als Mitbewohner. Wir verstehen uns ziemlich gut und es ist mega lustig, weil sich letztere andauernd prügeln und beleidigen :D…also… so aus Spaß.

Nachdem ich angekommen bin war ichzugegeben ein bisschen irritiert, weil ich eigentlich viele verschiedene Kulturen kennenlernen wollte und dann die ersten 2 Wochen das überhaupt nicht vorgekommen ist.

Mittlerweile merke ich jedoch, dass das schneller geht als man denkt. Ich bin sofort als die Uni anfing in meinen Alltagstrott gekommen, obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass es UNMÖGLICH ist in diesem Land eigentlich wirklich produktiv zu sein. Und zwar aus folgendem Grund: Strand. Und Sonne. Ich weiss, dass ihr das gerade glaub ich nicht gerade lesen wollt ^^ aber hier ein Bild zur Versöhnung:


Bozans Bay

Zurück zum Alltag:

Wir haben ungefähr 3 ½ Wochen gebraucht um Internet stabil zu besorgen. Auf Grund des Drängens und durchaus deftigen Vokabulars meiner Mitbewohner ging es so schnell. Generell dauern hier Dinge…lange. Vor allem organisatorische. Was mir ehrlich gesagt relativ wumpe ist. Aber halt anstrengend manchmal. Die Erklärung: „Well…this is South Africa“. Sie geben sich also mühe es zu verstecken :D.

Ansonsten find ich die Wohnung echt supi. Auch, wenn es auf Grund von Mauern und Elektrozäunen liebevoll von „Bo“ DDR 2.0 getauft wurde. Der Kühlschrank ist dann auch ausgefallen und der Herd macht kochen ein wenig…nennen wir es riskant.


Mex (Mehrdad)


Mein Blick auf die Mauer !


„Terrassen“ Blick auf die Mauer!


Wohnung mit Mex


Mein Zimmer ! Klein aber klein. Aber toll !


Meine erste Errungenschaft hier. Sie hat meine Laune extrem angehoben.

Die Universität hat meiner Meinung nach den allergeilsten Campus den ich je gesehen habe. Es ist wie Unigebäude in einem Dschungel. Davon kommen auch irgendwann Bilder. Aber am wichtigsten ist: Es gibt Affen !!! AFFEN !!! Auf dem Campus!! Sie sind voll toll!! Ich hab gesehen wie sich zwei prügeln. :) Und sie nehmen dir dein Essen weg wenn du nicht aufpasst. Also…sie reißen es dir auch gern aus der Hand :D. Ist bei mir jetzt noch nicht vorgekommen. Aber ich glaube ich hab Lust es mal zu provozieren.


Affe


Affenmama mit Baby

Es wird irgendwann noch mal ein Beitrag vorkommen, wo ich alle Leute die ich hier so täglich treffe vorstelle.

Da ich jedoch nicht glaube, dass euch mein Alltagskram interessiert komme ich jetzt zu einem der besten Tage die ich bis jetzt hatte. Cornelius Geburtstag, der 14. Februar, vielen Menschen auch als der „Valentinstag“ bekannt.

An der Stelle nochmal alles Gute Corny !


Corny neben Anna


Anna neben Lilly

Abends hatten wir bei Corny gekocht (nein er mag diesen Namen nicht, ja ich verwende ihn immer) und haben ihm Straußenfilet mitgebracht. Alter. Ist das lecker. Am nächsten Tag hat er sich von Bozan gewünscht, dass er ihn mit seinem Auto mal zu Bozans Bay fährt mit den Insassen auf den Bildern über diesem Eintrag. Bozan hatte einige tolle Orte mit seinem Auto entdeckt. Ein paar Bilder hab ich schon davon verwendet.


„Bo“

Das war ein super Tag. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich zugegeben ein bisschen frustriert. Ich hatte eher nur „Summerstrand“, Stadtteil wo ich wohne, Strand, einige Bars natürlich und ein paar Clubs gesehen. Und was man halt so beim rumfahren sieht.

Aber an diesem Tag wusst ich dann wieder: Du bist in Afrika, alter ist das geil hier. Beweis:



 

Wir sind soviel rumgefahren an diesem Tag und es wurde einfach immer besser. Am Ende saßen wir dann hier:


Das Geburtstagskind musste da leider das Foto machen

So das war erstmal ein kurzes Update…tut mir leid, dass alles so lang gedauert hat aber es kommen 83947503460587632954 neue Sachen auf einen zu und naja das hier war die erste Verarbeitung :)

Mehr kommt !


Fand ich lustig :D

Über jegliche Kommentare würd ich mich freuen. ^^

El Danny.

 

schreib ins GB!         

 


 

 

Avatar

„Wir müssen uns unbedingt diesen Film angucken!!!“. In etwa so war das Zitat von meinem Bruder dem frisch gebackenen Graphics-Designer. „Sicher? Ich hab nur so blaue Viecher vor Augen das schreckt mich irgendwie ab“.

Nachdem mir versichert wurde, dass die Grafik der Hammer ist, ein Freund von ihm mitgearbeitet hat und ich sowieso Lust auf Kino hatte dachte ich mir kann nicht schaden.

Die Untersuchung im Internet hat ergeben, dass der Film auch 160 Minuten andauert was mich sehr glücklich machte, da ich sonst das Gefühl habe nichts für mein Geld zu bekommen und ich immer sentimental werde wenn der Kinobesuch zu Ende ist. Es ist ein bisschen wie eine Flucht.

Wir stehen also an. Unsere Gutscheine sind ungültig für die „3D“ Vorstellung.

„Mit zwei Kameras wurde der Film aufgenommen damit man keine 3D-Brille mehr braucht!“, schön wärs. 12,50 € pro Person(!), Studentenausweis hilft da auch nichts, nein, heute hat sich das Cinemaxx überlegt den Preis bezahlt eh jeder.

Mehr als skeptisch, da ich doch die 3D Brille bezahlen musste (+1€ p.P.) mit leicht schlechter Laune und die blauen Viecher vor dem geistigen Auge sitze ich im Kino. Frage mich wie unfassbar oberflächlich Menschen in der ersten Reihe sind und rege mich auf, dass sie permanent Reden und Witze aus ihrer tiefgründigen Analen-Phase zum Besten geben.


Ich setze die Brille auf. Die Werbung beginnt, gefolgt von einer Vorschau und ich merke schon etwas ist anders. Ich habe das Gefühl, dass mein Gesicht gleich mit Schlamm besudelt wird und versuche Dinge von denen ich weiß, dass sie nicht da sind, anzufassen. Mit leicht verbesserter Laune und mit steigender Erwartung warte ich nun auf die Hauptattraktion. Und da ist sie schon.

Der mittelmäßige Hauptdarsteller Jake Sully(Sam Worthington, „Terminator – Die Erlösung“, „Kampf der Titanen“) fängt an eine Geschichte zu erzählen auf die ich mich im ersten Moment nicht konzentrieren kann. Auf einmal landet ein Flugzeug und er ist auf einem anderen Planeten. Mäßiges geplänkel folgt und letztendlich: wandelt er durch eine grafisch nahezu perfekt dargestellten Welt, dass man hofft, dass der Hauptdarsteller nicht weiter seine menschlichen, schauspielerischen Fähigkeiten beweisen muss.

Die Landschaft ist wie ein Sog - mit einer unfassbaren Liebe zum Detail. Übermäßiger Einfallsreichtum lassen alles zuvor vergessen. Sogar der Wechsel mit der Wirklichkeit stört nicht mehr und mit der Zeit passt der Hauptdarsteller wieder in das Geschehen. Die blauen Viecher (Avatare) störten mich auch nicht mehr nach einer Weile, da sie perfekt in das typische Indianer-Klischee gepasst haben und man ihnen einfach nicht böse sein konnte.

Man hört sie reden und, mag es noch so kindisch klingen, wünscht man sich ein bisschen mehr von diesem Stolz und bodenständigen Verhalten für die erste Reihe eines Kinos.

 Schon wären wir am Hauptkritikpunkt angelangt: Diese Story, ist sowas von gestohlen, sowas von einfältig, sowas von aus Winnetou / Pocahontas kopiert, dass es zum Schreien ist. Ich habe wirklich gehofft, dass die „bösen“ Menschen gewinnen und zwar einfach aus dem Grund damit ich diesen Teil der Kritik ein wenig einschränken kann und der Film nicht jedes Klischee erfüllt. Die typischen Charaktere des rücksichtslosen Geschäftsmannes (Giovanni Ribisi „Risiko – Der schnellste Weg zum Reichtum“, „Der Soldat James Ryan“, „Public Enemies“), des typisch zerstörungswütigen Colonels (Stephen Lang „Public Enemies“, „Gettysburg“) und der viel zu coolen Michelle Rodriguez als souveränes, eigentlich-nur-zur-Deko-engagiertes, tief im Innern doch gutes und auch extrem zerstörungswütiges  Soldatenmädchens lassen mich einfach nur den Kopf schütteln.

Selbst nach den letzten, filmgeschichtlichen Verbrechen die sich Hollywood erlaubt hat, hätte ich gedacht, dass man Einfältigkeit in der Personenkreation wenigstens ansatzweise versucht zu verschleiern. Ein wirklicher Lichtblick ist da Sigourney Weaver („Alien“, „Heartbreakers“, „Ghostbusters“) die gewohnt solide ihre typische Souveränität in egal welcher Rolle zeigt. Da allerdings alle Rollen dermaßen auf ein Minimum limitiert sind, hat auch sie kaum Raum zur Entfaltung.

Zugegeben: Bei einem technischen Meisterwerk dieses Umfanges, ist es verständlich, dass es schwierig ist alles unter einen Hut zu bringen. Allerdings bin ich der Meinung, wenn man schon versucht Animation und schauspielerische Größen zu kombinieren, sollte man diesen Kritikpunkt nicht unter den Tisch fallen lassen.

Die offensichtliche Botschaft ist trotz ihres Klischees irgendwie auch wieder nett. Die Welt wieder ein Stück besser machen. Man merkt eindeutig, dass dieser Film ab 12 sein musste um das Maximum an Publikum anzulocken, selbstverständlich um sie glücklich zu machen, nicht etwa aus schnöden, ökonomischen Gründen.

Trotz der dünnen Story, trotz der schwachen Darsteller finde ich diesen Film gelungen. Ich war einfach nur baff, als ich diese Welt gesehen habe. Die hängenden Berge in der Luft, die Wasserfälle die ins nichts verlaufen, das Wasser, dass so real ist, dass es unheimlich ist.

Die Drachen die durch die Luft fliegen erinnern mich an meine Höhenangst, was ich in einem realen Film noch nicht so verspürt hatte.

Obwohl ich ein Verfechter des tiefgründigen, nachdenklichen Kinos bin, bin ich froh über die 13,50 €, die ich investiert habe. Es ist einfach ein neues Kinogefühl und ich fürchte schon ein bisschen den Moment, an dem dieses Kino zur Gewohnheit wird, da Avatar mit Sicherheit nur ein Vorläufer der nächsten Generation der Animation ist.

Letztendlich, muss ich zugeben, dass mir diese Kritikpunkte erst im Laufe des Abends eingefallen sind. Quasi ab 2 Uhr als ich aus dem Kino kam (die Vorstellung begann um 22 Uhr). Aber als ich mich dann innerlich auf ein Fazit geeinigt habe, waren die Eindrücke der Grafik weg.

Und genau das ist der Punkt. Die Grafik kann ich mir nicht wieder in mein Gedächtnis rufen. Eine durchdachte Story mit guten Wendungen schon. Somit fällt meine Kritik wahrscheinlich schlechter aus, als sie direkt nach dem Film ausgefallen wäre aber so hatte ich Zeit nochmal über den Film nachzudenken.

Schade, wirklich schade, dass die Story nur ein Vorwand war um optisch zu beeindrucken. Aber da das Kino unterhalten soll und nicht zwingend eine super, neue Botschaft o.ä. haben muss und ich definitiv unterhalten wurde, fällt das Fazit folgendermaßen aus:

 

08 / 10 Punkte.
 

schreib ins GB!